Update 11.07.: Auch die neuen twitter-Buttons werden wir vorerst nicht einsetzen. Die Probleme bzw. Fragestellungen sind sehr ähnlich zu denen bei Facebook. Mehr dazu in meinem privaten Blog: “Datenschutz ./. Neue twitter-Buttons
Update 23.06. 11:30: Wir freuen uns über das enorme Interesse, welches sich auch in den Kommentaren ablesen lässt. Nach dem heutigen Gespräch mit Facebook gehen wir von einer baldigen Lösung für das “Problem” aus. Und davon, dass hamburg.de bald wieder seine Like-Buttons (datenschutzkonform) zurückbekommt.
Update 22.06. 16:30: Wir stehen in konstruktivem Dialog mit Facebook zu diesem Thema. Freut uns sehr, denn es zeigt, dass auch Facebook der Datenschutz ein wichtiges Anliegen ist.
Liebe hamburg.de Besucherinnen und Besucher,
gerne möchte ich Ihnen die Hintergründe für eine Maßnahme vom vergangenen Donnerstag erläutern: Das Entfernen des Facebook “Like-Buttons” von allen Seiten des Stadtportals hamburg.de.
Falls Sie die Like-Funktion noch nicht kennen, empfehle ich Ihnen diese Quelle bei Facebook durchzulesen.
Ich hole ein wenig aus: Vor etwa 14 Tagen entschieden wir uns zunächst, den Like-Button ins Portal zu integrieren. Unsere redaktionellen Ansprechpartner bei der Freien und Hansestadt Hamburg sahen es so wie wir: Diese Funktion von Facebook passte ideal in die Strategie von hamburg.de. Wir möchten einerseits den Dialog mit unseren Besucherinnen und Besuchern gerne möglichst intensiv und überall wo sinnvoll führen (dazu zählt dieses Blog, unser twitter Account, unsere Facebook Fanpage, unser formspring-Profil usw.), aber auch die Vernetzung der User untereinander fördern (hierzu sollte ursprünglich auch die hamburg.de-eigene Community dienen, die wir aber auch aufgrund der enormen Marktsättigung durch Facebook kaum zum Laufen bringen können — Überlegungen hierzu laufen).
Der Facebook Like-Button ist nicht nur eine einfache Möglichkeit sein Gefallen an einem Web-Inhalt kundzutun (“.… mag diese Seite …”), sondern lässt angemeldete Facebook-User auch sehen, welche anderen Kontakte aus dem eigenen Freundeskreis, welche Seiten gut finden. Ein schöner “word of mouth”-Effekt.
Inzwischen kommt beinahe keine News-Seite und kaum ein Blog ohne die neue Funktion von Facebook aus, der Like-Button ist fast überall sehr schnell integriert worden und wird von Usern eifrig genutzt. So auch bei hamburg.de. Unsere Seite zum Public Viewing zur WM in Hamburg erreichte binnen kürzester Zeit über 1.000 “Likes”. Betrachtet man den “long tail”, also die Summe aller — auch teilweise ganz unbekannten, mit sehr spezifischen Inhalten bestückten — URLs, so kamen locker über 10.000 Likes zusammen. Das ist (war) toll, diesen Weg woll(t)en wir weitergehen!
Bei aller Freude aber, entschieden wir am 17. Juni 2010 dennoch, die Funktion wieder zu entfernen. Der Schutz der persönlichen Daten unserer Besucherinnen und Besucher ist uns nicht nur eine juristische Pflicht (manch einer würde sagen “Last”), sondern liegt uns tatsächlich am Herzen. “Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu!” — alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von hamburg.de sind selbst auch eifrige Nutzer des Stadtportals und natürlich vieler anderer Webangebote. Keiner von uns ist — bei aller einzelner Offenheit im social web — am Missbrauch eigener persönlicher Daten interessiert.
Problem: Der Button sammelt auch Daten von Usern, die ihn nicht klicken, also von jedem!
Die Frage, die wir (gemeinsam mit der Freien und Hansestadt Hamburg) zu bewerten hatten: Wie wichtig ist es uns, definitiv zu wissen, was Facebook mit den per Like-Button gesammelten Daten macht? Bedingt durch die Art und Weise der Realisierung des Buttons konnten auch Daten von nicht bei Facebook angemeldeten Usern gesammelt werden. Eine Art zweites Web-Controlling würde bei Facebook entstehen: Jeder Schritt aller User bei hamburg.de könnte detailliert aufgezeichnet werden. Bedingt durch die breite Streuung des Buttons sogar Schritte außerhalb von hamburg.de mit dem Surfverhalten bei hamburg.de verknüpft werden. Bei unserem Web-Controlling Tool Sitestat legen wir größten Wert auf eine strenge Beachtung der Gesetzeslage (z.B. Anonymisieren wir die IP-Adressen vor der Verarbeitung so, dass kein Rückbezug auf konkrete Surfer möglich wird). Öffneten wir per Facebook Like-Button nun diese strenge Maßgabe für einen anderen Anbieter, ohne wirklich Kontrolle bzgl. der erfassten Daten zu haben?
Von Seiten Facebook existiert leider keine definitive, juristisch belastbare Aussage bzgl. der Sammlung oder besser: der Nicht-Sammlung dieser Daten. Das Unternehmen weist lediglich darauf hin, dass eine Verarbeitung nicht stattfindet und die gesammelten Daten nach drei Monaten gelöscht würden. Wieso nach drei Monaten und nicht drei Tagen oder Minuten? Wieso werden die Daten überhaupt erfasst, wenn keine Verarbeitung stattfindet?
Wir haben entschieden, den Weg der strengen Einhaltung von Datenschutzregeln weiter zu gehen. Dabei will ich ganz deutlich machen: Wir tragen nicht die teilweise absurden Vorstellung der Generation “Internetausdrucker” mit, die die Realitäten des vernetzten Lebens mit digitalen Medien negiert, sondern begreifen als begeisterte Nutzer des Internets den Datenschutz als unbedingt notwendiges Regelwerk in einer angepassten, neuen Denkweise, die der subjektiven Wahrnehmung eines jeden einzelnen in Bezug auf schützenswerte Daten entspricht.
Den Facebook Like-Button haben wir entfernt. Sobald eine definitive und zufrieden stellende Aussage von Seiten Facebook zur Datenverarbeitung vorliegt, schalten wir ihn gerne wieder ein. Die Idee des Buttons ist sehr gut und unterstützenswert, die Umsetzung des Datenschutzes noch nicht.
Den Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationssicherheit haben wir über unsere Maßnahme und die Gründe hierfür informiert. Er nimmt auch die Aufsicht über Facebook in Deutschland wahr.
Mehr zum Thema z.B. bei chip.de.