hamburg.de zensiert nicht

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Geschrieben am 9. Februar 2011
von Nina Reddemann

Liebe Besucherinnen und Besucher,

in Hamburg herrscht Wahlkampf und dieser macht auch vor hamburg.de nicht Halt. Als Stadtportal sehen wir unsere Aufgabe darin, Sie zu informieren. Dafür greifen wir auch auf bereits etablierte externe Anwendungen zurück und integrieren diese als Serviceangebote in hamburg.de. Eine Anwendung, die zu Diskussionen geführt hat, ist wahl.de

Wahl.de misst bundesweit die Online-Aktivitäten von Parteien und Politikern und stellt diese Aktivitäten mit den entsprechenden Links zu den Homepages und zu den Social-Media-Aktivitäten dar. Die Daten werden individuell vom wahl.de-Betreiber compuccino recherchiert. Als redaktionelles Angebot erhebt wahl.de keinen Anspruch auf Vollständigkeit sondern setzt auf Qualität statt auf Quantität. Angezeigt werden nur die Kandidaten der Parteien, die in Fraktionsstärke im Bundestag oder in der Hamburgischen Bürgerschaft vertreten sind.

Da also in der Kandidatenübersicht von wahl.de, die u.a. auch auf hamburg.de eingebunden war, nicht alle Kandidaten aller Parteien aufgeführt sind, wurde in einem Blogbeitrag der Stadt Hamburg Zensur zulasten kleinerer Parteien vorgeworfen.

Der Vorwurf der Zensur wiegt schwer, ist aber nicht zutreffend. In dem von unserer Redaktion erstellten Wahlspecial finden sich umfassende Informationen, mit denen wir auch das Interesse der Wählerinnen und Wähler für die Wahlen stärken wollen: Wahl-O-Mat, Informationen zum neuen Wahlrecht, Musterstimmzettel, der Link zur vollständigen Liste aller Kandidaten bei der Hamburgischen Bürgerschaft und mehr. Die Einbindung von wahl.de wurde von einigen anders wahrgenommen.

Als offizielles Stadtportal stehen wir in einem besonderen Fokus, der hier zu einigen Missverständnissen geführt hat. In aller Deutlichkeit: Wir zensieren nicht. Wir wollen mit unseren Themen die Nutzerinnen und Nutzer informieren. Das Angebot von wahl.de bis zum 20. Februar mit allen Kandidaten und den entsprechenden Links zu bestücken, ist zeitlich nicht machbar. Eine umfassende Darstellung der Kandidaten wird von uns in der öffentlichen Wahrnehmung allerdings erwartet.

Wir sind uns dieser Verantwortung bewusst und haben uns daher entschlossen, in Übereinstimmung mit der Pressestelle des Senats, die die Rubriken Bürgerservice und Stadt & Stadt betreut, die Seite mit der Kandidatensuche von wahl.de abzuschalten.

Nach wie vor halten wir Angebote wie wahl.de für sinnvoll und für eine gute Ergänzung zu offiziellen Kandidatenlisten. Der Wahlkampf der Parteien hat sich in den letzen Jahren verändert, die Online-Aktivitäten haben stark zugenommen und immer mehr Politiker entdecken die Möglichkeit, ihre Wähler schnell zu informieren und mit ihnen über Kanäle wie Twitter und Facebook in einen Dialog zu treten. Die Zusammenstellung dieser Social-Media-Aktivitäten macht wahl.de so spannend. Denn ein Twitter-Stream sagt oft mehr über einen Kandidaten aus, als Antworten auf die ewig gleichen Fragen.

Kategorie: Allgemein 11 Kommentare »

11 Antworten zu “hamburg.de zensiert nicht”

  1. Besten Dank für das offizielle Statement aus dem Senat zu meinen Blogbeitrag.

    Meinen Beitrag zur Löschung des Kandidatenportals auf hamburg.de finden Sie hier: http://wahlbeobachter.blogspot.com/2011/02/stadt-hamburg-zensiert-und-reagiert.html

    Mein Vorschlag: Einbindung von abgeordnetenwatch.de in Igr Portal. Warum geht da snicht, wa sin vielen anderen Bundesländern geht? Dort findet man alle Kandidaten und kann sogar direkt mit Ihnen kommunizieren.

  2. avatar Uwe Müller sagt:

    Wenn nur die ausgelutschten Kan­di­daten der Parteien, die in Frak­tion­sstärke im Bun­destag oder in der Ham­bur­gis­chen Bürg­er­schaft vertreten sind, angezeigt werden, dann ist das sehr wohl Quantität, weil kritiklos. Qualität ist da sicherlich nicht zu erwarten.

  3. Sehr geehrte Frau Reddemann,

    auch Ihre Argumentation zeugt von dem professionell unreflektierten vordemokratischen Verständnis, das sich in der PR- und Presselandschaft sowie bei den großen Parteien weit verbreitet hat.

    Sie haben vergessen zu erwähnen, dass das offiziell klingende Portal Wahl.de von einem privatwirtschaftlichen Unternehmen betrieben wird, dass sich anmaßt, überhaupt Auswahlkriterien für die Darstellung von Parteien und Kandidaten anzulegen. Und Sie rechtfertigen eine Selektion mit der üblen Suggestiv-Floskel von „Qualität statt Quantität“. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Mitgliederstarke Parteien werden berücksichtigt, kleinere Parteien nicht. Gemerkt?

    hamburg.de wird zu 20% von der Stadt Hamburg getragen – mithin von Steuergeldern bezahlt. Enormen Zeitaufwand für die fünf größeren Parteien hat hamburg.de also damit betrieben. Das kann man übrigens verdeckte Parteienfinanzierung nennen. Warum haben Sie aus Aufwandsgründen nicht ausschließlich und innovativ die kleineren Parteien berücksichtigt? Portale, in denen die Kandidaten der großen Parteien dargestellt werden, gibt es genug.

    Ihr Argument mit dem zeitlichen Aufwand ist schlicht Käse – und das wissen Sie. Das Kandidatenportal der Hamburgischen Bürgerschaft, ebenfalls von wahl.de bestückt, hat es geschafft, dort alle Kandidaten vorzustellen. In der gleichen Zeit, in der hamburg.de wissentlich nur fünf Parteien bestellt hat.

    A propos Zeit: auf hamburg.de gab und gibt es nicht einmal eine Seite, auf der Links zu den Webseiten der Parteien und Kandidaten für die Bürgerschaftswahl 2011 zu finden sind. Die kann ich Ihnen in 10 Minuten schicken. Mitsamt Links zu deren Wahlprogrammen. Unser Webmaster würde weitere 10 Minuten brauchen, um Ihnen eine Seite daraus zu basteln.

    Zu guter Letzt Grundsätzliches: Die umfassende Darstellung aller Kandidaten wird von Ihnen bzw. hamburg.de nicht bloß erwartet, es ist eine demokratische Pflichtübung für ein Stadtportal, bei der hamburg.de versagt hat. Deshalb haben Sie es abschalten müssen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Kim-Oliver Tietze

    P.S.: Haben Sie auch nur so ein winziges Fenster, um Ihren Text zu verfassen?

  4. avatar Nina Reddemann sagt:

    @Wahlbeobachter: Dies ist das Unternehmensblog von der hamburg.de GmbH & Co. KG und nicht das Blog des Senats.

    Vielen Dank für den Vorschlag. Auch die Einbindung von abgeordnetenwatch.de als externes Serviceangebot könnte zu Missverständnissen führen, daher haben wir uns dagegen entschieden.

  5. Sehr geehrte Frau Reddemann,

    Ihre Begründung zum Abschalten des Altparteienreigens ist so dünn, dass man schreien könnte. „Das Ange­bot von wahl.de bis zum 20. Feb­ruar mit allen Kan­di­daten und den entsprechen­den Links zu bestücken, ist zeitlich nicht mach­bar.“ Hallooo – wollen Sie und der CDU-geführte Senat uns für dumm verkaufen?

    SIE können nicht, was abgeordnetenwatch.de kann – und was seit gestern (nach Protesten) sogar das Lokalportal http://www.altona.info kann?

    Die Wahrheit ist: Sie hatten Befürchtungen, es könnte wegen Zensur der kleinen und neuen Parteien durch ein staatlich mitbeeinflusstes Portal eine Klagewelle oder gar eine Wahlanfechtung hereinschneien…

    Schade, Frau reddemann, wir hätten gehofft, Sie würden sich für das undemokratische Verhalten von hamburg.de und der kooperierenden Firmen, Behörden und Politikstellen entschuldigen und Ihr Bedauern äußern – stattdessen plumpes PR-Sprech. Genau das ist es, was die Menschen zur Politik(erverdrossenheit) treibt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Wolf Achim Wiegand
    FREIE WÄHLER Hamburg
    Landesvorsitzender

  6. avatar Daniel Harms sagt:

    @Nina Reddemann
    Köstlich finde ich, daß Sie auf den Kommentar von Wahlbeobachter geantwortet haben, aber nicht auf den von unserem Generalsekretät Tietze, durch welchen Ihr Beitrag höchstwahrscheinlich erst hier verfasst worden ist.
    Wie lange brauchen Sie eigentlich, um ein neues Fundament für Ihre Möchtegernargumentation zu finden?! Oder sind Sie einfach nur sprachlos? Paralysierst? Sie versuchen hier, eine infame Wählerbeeinflussung mit hahnebüchenen Argumenten zu stützen. Herzlichen Dank für Ihren „minderwertigen Beitrag zur Demokratie“.

    Mit gegebenen Anstand,
    Daniel Harms

  7. avatar Nina Reddemann sagt:

    Sehr geehrte Herren,

    ich persönlich finde, dass diese Diskussion gerade sehr emotional und nicht konstruktiv geführt wird. Was gerne vergessen wird: hamburg.de ist nicht die Freie und Hansestadt Hamburg. Hinter dem Stadtportal steht die privatwirtschaftlich organisierte hamburg.de GmbH & Co. KG.
    Wie oben bereits geschrieben, sind wir uns unserer Verantwortung bewusst, müssen aber auch wirtschaftlich mit den vorhandenen Kapazitäten handeln.
    Ich weise an dieser Stelle auch gerne noch einmal auf Inhalte wie z.B. den Wahl-O-Maten der Bundeszentrale für politische Bildung oder auf die Liste der Hamburgischen Bürgerschaft hin.
    http://www.hamburg.de/wahl-o-mat-hamburg-2011
    http://hamburgwahl.de/wen/kandidaten

  8. Als Kandidat der Piratenpartei kann ich mich den Ausführungen des Dr. Tietze nur anschließen.

    Besonders befremdlich wirkt ihre fadenscheinige Entschuldigung, hamburg.de stünden nicht genügen Ressourcen zur Verfügung, um die zur Wahl stehenden Parteien und Kandidaten vollständig aufzuführen. Ein Blick in die Rubriken „SHOPPING & GASTRO“ sowie „KULTUR & TICKETS“ auf hamburg.de zeigt eindrucksvoll, dass es Ihnen offenbar sehr wohl möglich ist, in großem Umfang aktuelle und sogar redaktionelle Inhalte zu pflegen.

    Darüber hinaus bin ich erstaunt, dass sie eine Einbindung von abgeordnetenwatch.de – einer von dem gemeinnützigen Verein Mehr Demokratie e.V. initiierten und von der ebenfalls gemeinnützigen Parlamentwatch GmbH betriebenen Plattform – ablehnen, sich aber im Vorhinein offenbar ohne Gewissensbisse für das rein kommerzielle Angebot von wahl.de der compuccino/Roggenkamp & Cserny GbR entschieden haben.

    „Zensur“ ist hamburg.de allerdings wirklich nicht vorzuwerfen – Zensur ist eine ernstere Angelegenheit als dieser dem bornierten ausschließlichen Geltungsanspruchs der Volksparteien vorauseilende Gehorsam, garniert mit Kommerz-Logik.

    Wohl aber zeigt diese Posse, dass die Piratenpartei zurecht fordert, dass hamburg.de als unabhängiges Stadtportal ohne die Beteiligung von Gesellschaftern wie Axel Springer oder die Haspa und die HSH Nordbank betrieben wird.

  9. avatar Reizzentrum sagt:

    Es ist schon interessant, dass Hamburg (das Venedig des Nordens) nun so deutliche, italienische Verhältnisse offenbart.

    Die nahezu mafiöse Verstrickung von Kommerz und Politik, mit dem Ziel die freie Willensbildung des Wählers zu manipulieren ist in meinen Augen einfach nur erbärmlich.

  10. avatar Peter Schulz-Brahms sagt:

    Es beschämt mich als Hamburger Wähler solche peinlichen Stellungnahmen von Kandidaten lesen zu müssen. Sie offenbaren hier eine Nichtwählbarkeit. Statt sachpolitische Arbeit zu leisten, versteifen Sie sich in eine sinnlose und vor allem nicht fundierte Diskussion über Kandidatendarstellungen in einem Portal.

    Für mich das Fazit: Zurecht sollten Sie in keinem Medium portraitiert werden!

  11. avatar Frank S. sagt:

    Liebe Kandidaten und Wetteiferer,

    Peinlich, peinlich. Sie beschimpfen die Mitarbeiterin von Hamburg.de in einer Art und Weise, die Sie selbst als Vertreter Ihrer Parteien in ein undemokratisches Licht rücken. Wenn das Ihr politischer Stil ist, dann sind Sie nicht wählbar. Mag sein, dass das Einbinden von Wahl.de unglücklich war, so zeigt doch das Abschalten, dass man sich hier der Argumente angenommen hat, die vorgebracht wurden. Ich glaube auch nicht, dass Sie, werte undemokratische Herren, es akzeptiert hätten, wenn Ihre Namen in der aufgeführten Form der Bürgerschaft neben den Darstellungen von Wahl.de erschienen wären. Auch dann hätten Sie gemeckert. Ich vermute, Sie sind sauer, weil man abgeschaltet und Sie nicht aufgenommen hat. Sie haben Ihr Ziel nämlich nicht erreicht.
    Herr Tietze: sie werfen Frau Reddemann Zensur vor und undemokratisches Verhalten. Aber wie demokratisch ist es, ein Wahlprogramm zu veröffentlichen, das die  Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt veralbert?

    Fazit: Einfach nur peinlich.

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